Zwei Jahre Ulisses Spiele

Es ist schlimm: In letzter Zeit werden immer mehr tolle Systeme veröffentlicht, Spielmaterial kommt beinahe im Wochentakt heraus und der arme Rollenspiel, der eigentlich alles sammeln möchte und den alles interessiert, steht mit offenem Mund da und möchte so viele nette Sachen kaufen, doch das Geld reicht nicht – ganz zu schweigen von der Zeit, dies alles auch zu spielen.

Tatsächlich tut sich meiner Meinung nach in den letzten Monaten mehr, als sonst gewohnt auf dem deutschsprachigen Rollenspielmarkt. Viele neue und auch innovative Produkte drängen auf den Markt, der sonst doch eher als klein gilt. Wie viel sich davon dann durchsetzten kann, bleibt fraglich.

Zwei Jahre Ulisses

Gerade bei DSA tut sich seit der Übernahme von Ulisses Spiele mehr als beim Vorgänger FanPro. Natürlich tue ich Fantasy Productions vielleicht unrecht, doch eigentlich hat sich der Verlagswechsel doch als sehr positiv herausgestellt. Es gibt viele Produkte, noch mehr wurden angekündigt und es scheint kein Ende in Sicht zu sein. Wie viel Ulisses Spiele von den Versprechungen bzw. den Terminen dann wirklich halten kann, bleibt abzuwarten, doch bisher konnten sie die Termine sehr gut halten. Doch vor allem wurde die Transparenz und die Kommunikation zwischen den Kunden und dem Verlag massiv verbessert – so jedenfalls meine Einschätzung. Ziemlich genau vor zwei Jahren (soweit ich weiss, war es am 20. April 2007), übernahm Ulisses Spiele die DSA Lizenzen von FanPro und ich war damals sehr skeptisch. Umso glücklicher bin ich heute, wenn ich sehe, wie sich DSA in den letzten zwei Jahren entwickelt hat.

Orks, Horas und Dämonen

Eigentlich sollte ich mir schon lange die neuste Spielhilfe “Reich des Roten Mondes” zulegen, doch bisher bestand noch sehr wenig Bedarf nach der Orklandspielhilfe. Doch gekauft wird sie sicher noch, denn es ist zu vermuten, dass Ashim Riak Assai noch Grosses vor hat. Als nächstes kommt dann wohl der meist erwartete Quellenband für das Reich des Horas. Nach der Königsmacher-Kampagne ist dort natürlich kaum mehr ein Stein auf dem anderen… Die Quellenbänder zu den Schwarzen Landen und dem hohen Norden werden dann wohl erst 2010 kommen. Naja, das lässt sich aushalten.

Eine Kampagne auf die andere

Doch viel interessanter sind eigentlich die grossen Projekte von Ulisses: Natürlich bin ich sehr gespannt auf die Drachenkampagne. Ich werde Sie aber wohl vorerst nicht leiten…erst muss da noch das Jahr des Feuers und die Königsmacher Kampagne hinter mich gebracht werden – und natürlich die G7 abgeschlossen werden. Unsere Gruppe hat da genug Beschäftigung für Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte. Wir müssen halt auch 25 Jahre DSA aufholen ;)

Dann kommt auch bereits das nächste Projekt: Uthuria. Da steht die Redaktion wahrlich von einer schwierigen Aufgabe. Mit Myranor wurde bereits einmal ein neuer Kontinent in Aventurien eingeführt und meiner Meinung nach ist Myranor eindeutig gescheitert. Nun versucht man wieder gerade zu biegen und das ganze den Spielern schmackhaft zu machen. Mit der Auslagerung in den Uhrwerk-Verlag, den Hobby-Verlag von Patric Götz, könnte das wirklich besser werden. Doch Uthuria kann viel aus den Fehlern von Myranor lernen. Das Konzept, dass die Helden Uthuria sehr frei erkunden können und so die Spielinhalte und der Hintergrund nach und nach eingeführt wird, ist sicherlich der richtige Ansatz. Zudem gefällt mir die Ankündigung, dass der technische Stand auf Uthuria weiter zurückliegt als auf Aventurien sehr. Aber das ist ein anderes Thema.

Sehr toll finde ich übrigens die Überarbeitung zweier alten Kampagnen: Der Drachenhals-Tetralogie (Die Phileasson-Saga) und der Greifenfurt-Kampagne. Somit hat man alle alten und relevanten Kampagnen den neuen Regeln angepasst. Sehr erfreulich ist natürlich, dass diese Kampagnen nicht nur formal, sondern auch inhaltlich angepasst werden – ähnlich der G7 und diese Überarbeitung war ja wohl sehr, sehr gelungen. Auf die Phileasson-Saga warten wir nun sehr ungeduldig, da wir mit ihr beginnen möchten, ehe wir dann mit “Im Schatten Simyalas” beginnen.

Die blaue Reihe

Seht nett ist auch die Einführung der blauen Reihe. Dort sind bisher erst zwei Bände erschienen (Ritterburgen und Spelunken und Efferds Wogen), doch gerade in nächster Zeit wird da einiges erscheinen: Katakomben und Kavernen, Patrizier und Diebesbanden und auch Handelsherr und Kiepenkerl. Gerade Efferd Wogen ist eines der besten DSA Bücher jüngerer Zeit und das stimmt mich für diese blauen Bücher sehr positiv.

Hinzu kommt noch Bücher wie  Tractatus contra Daemones. Auch wenn mir nicht ganz alle Zeichnungen gefallen und es eher für Sammler gedacht ist und weniger als eigentliches Regel- oder Hintergrundband, bin ich ganz zufrieden damit. Aber eben, es ist eher ein Gimmick, als ein Buch, dass einem am Spieltisch weiter bringt.

Innovationsgeist

Doch auch wenn man es der Community nie ganz recht machen kann und viele Kritiker nie verstummen und auch ich nicht immer über die Entscheidungen von Ulisses Spiele glücklich bin, so kann man Ihnen wohl eins nicht vorwerfen: Mangelenden Innovationsgeist. Natürlich haben sie DSA nicht revolutioniert – im Gegenteil, sie haben sich Kontinuität auf die Fahne geschrieben, aber sie versuchen wirklich mit neuen Produkten Rollenspieler einzufangen. Prominentestes Beispiel ist wohl das PC-Game Drakensang (lag zwar nicht in der Entscheidung von Ulisses, aber egal), doch mit solchen mag es ihnen vielleicht wirklich gelingen neue Kunden anzulocken.

Denn gerade mit DSA ist es sehr schwer neue Kunden zu gewinnen. Das sehr komplexe Regelsystem, sehr viele Bücher und ein nicht ganz intakter Ruf innerhalb der Rollenspielszene. Da muss man Innovation zeigen. Ich hoffe wirklich, dass Ulisses Spiele das weiter gelingt – und das ohne DSA 5 -.-

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