Opus Anima Investigation

Opus Anima, das Rollenspiel um grotesken Horror

Opus Anima

Heute hat mich endlich – auf etlichen Umwegen – ein Paket aus Deutschand erreicht. Darin enthalten war die Neuauflage von KULT und Opus Anima Investigation.

Einkauf auf dem Rollenspielmarkt

Einkauf auf dem Rollenspielmarkt

Von Opus Anima konnte ich ja bereits etliche Male schwärmen und ich wiederhole es gerne noch einmal, dass ich vom Grundkonzept und der Welt begeistert bin. Ganz zu schweigen von der Aufmachung des Grundregelwerks – ein schöner und vor allem atmosphärischer  illustriertes Buch ist mir bisher noch nicht in die Finger gekommen.

Zur RPC 09 in Köln hat Promtheus Games nun Opus Anima Investigation raus gebracht und nun reiht es sich in mein Bücherregal ein. Ich hatte bereits Gelegenheit ausführlich durch das Heft durchzublättern und mir eine erste Meinung zu bilden, die aber jederzeit wieder über Bord geworfen werden kann.

Aufmachung

Nun zuerst war ich etwas enttäuscht darüber, dass Opus Anima Investigation im A5-Format daher kommt. Ich wusste zwar, dass es “nur” 100 Seiten umfasst und ein Softcover ist, doch dann noch das kleine Format…das werde ich rasch durchgelesen haben. Das ist anscheinend eine neue Linie von Prometheus-Games mit dem Namen Pocket-RPG. Für knapp 15 Euro gehts aber eigentlich okay und die Idee ist auch nicht völlig blöd. Da Opus Anima Investigation ein in sich abgeschlossenes System bietet, kann das Heftchen gut in den Urlaub, die lange Zugreise oder wo weiss ich hin mitgenommen haben und man hat das Rollenspiel immer mit dabei.

Das Layout ist an sich im gewohnten Stil gehalten: Klares Schwarz-Weiss, mit etlichen Verzierungen, sehr stilvollen Bildern und Zeichnungen. Was fehlt sind die Verzerrungen im Schriftbild, wie man sie beim GRW bei gewissen Kapiteln gefunden hat. Aber bei dem Format hätte das wirklich auch gestört, denn dann ist es nicht mehr so gut im Zug oder sonstwo lesbar. An sich macht das Buch optisch wirklich was her, so wie man sich das vom GRW gewöhnt ist. Klarer Pluspunkt dafür.

Struktur

Nun es war mir bereits vorher bekannt, dass das Heft zum einen ein eigenes Spiel enthält. Der erste Teil führt den Leser dann auch auf 48 in das Regelwerk von Opus Anima ein. Ebenfalls beinhaltet dies die Charaktererschaffung von Opus Anima Investigation. Auf gut 15 Seiten wird dann die neue Stadt, Leuterskoog beschrieben. Es folgt ein Kapitel über die Schutzwacht, ein Kapitel für den Spielleiter samt Beispielabenteuer und einem ganzen Kapitel (10 Seiten) über Ausrüstung und Material.

An sich klar strukturiert findet sich der Leser gut zu recht. Wirklich getrennt ist der Teil, der sich mit dem eigenen Spielkonzept von Investigation befasst, von dem Bereich, das auch als Hintergrundband für das bisherige Opus Anima dienen kann jedoch nicht. Es wäre aber wohl auch sehr schwer das wirklich zu trennen, da schliesslich beide auf dem selben Hintergrund aufbauen.

Den Bereich, der auch für das bisherige Opus Anima wirklich nutzbar ist, finde ich jedoch etwas zu kurz geraten. Natürlich bietet alles einen guten Einblick in die doch sehr fremdartige Welt von Opus Anima, doch jemand der das Grundregelwerk besitzt und kein Interesse am speziellen Konzept von Investigation hat, kann sich die Anschaffung ruhig sparen. Wirklich viel verpasst er dadurch nich.

Investigation – Die Ermittlungsgruppe: Bizzaromantie & Okkultes

Doch nun zum eigentlichen Inhalt des Heftes: Wirklich neu an dem Buch ist das Spielkonzept, dass Investigation enthält um die Welt von Opus Anima zu erleben. Jeder am Tisch, natürlich alle Spieler, aber selbst der Spielleiter sind Teil der Ermittlungsgruppe: Bizzaromantie & Okkultes. Ein Abenteuer ist somit dann auch ein abgeschlossener Fall, den die Spieler zu lösen versuchen. Naheliegend dass diese Fälle alle mit übernatürlichen, paranormalen und verzerrten Phänomenen zu tun haben.

Jeder Fall wird so in eine Rahmenhandlung gepackt, d.h. er beginnt mit einer Einsatzbesprechung. Da kommt nun der Spielleiter in seiner Rolle zum Einsatz: Er ist der Kommissar, d.h. er leitet den Einsatz indem er die Ressourcen festlegt, die für den Fall zur Verfügung stehen. Am wichtigsten sind dabei die menschlichen Ressourcen. Nach einer kurzen Schilderung, um was es bei dem Fall geht bzw. wie die Ermittlungsgruppe darauf gestossen ist, sagt er welche Rollen er für den Fall einsetzen will. Nun können die Spieler untereinander abmachen, wer welche Rolle übernimmt. Dabei gibt es neben dem Kommissar 8 vorgefertige Rollen: Den Bizzaromanten, den Ermittler, den Jungspund, das Schutzkonstrukt, den Sondersergant für Moral & Etikette, der Schutzmann, den Tatortermittler und den Techniker. Jeder dieser Rollen besitzt ganz eigene Spezialfähigkeiten und Fertigkeiten. Damit ist garantiert, dass jeder Spieler am Tisch “etwas Besonderes” kann und irgendwo brillieren kann.

Nun als ich das Konzept zum ersten mal gelesen habe, war ich etwas skeptisch, ob das wirklich funktionieren kann und in der Tat ist es natürlich wirklich ganz anders zum Spielen als bei anderen Systemen. Doch grundsätzlich halte ich es für ein sehr solides, durchdachtes und trotzdem äusserst innovatives Konzept. Folgende Vorteile hebe ich besonders hervor:

  • Durch die Rolle des Kommissars kann der Spielleiter sehr direkt ebenfalls Einfluss aufs Geschehen ausüben. Grundsätzlich kann dies ein normaler Spielleiter natürlich auch, aber oft lässt es dann den bitteren Nachgeschmack des “Deus ex machina” zurück. Der Kommissar kann so zum Beispiel Verstärkung anfordern, oder im Nachhinein noch Ausrüstung bestellen o.ä.
  • Jeder Charakter hat sein Fachgebiet, wo er glänzen kann und auch wenn alle Charaktere grundsätzlich ziemlich “normale” Menschen sind, so haben sie doch alle ihre einzigartigen Fähigkeiten.
  • Die Fähigkeiten der Rollen wirken sich oft auch auf der Metaebene aus. So kann der Ermittler einmal pro Abend einen “Einfall” vom Spielleiter anfordern, die der Gruppe im Kriminalfall weiterhilft. Da bei dieser Art zu spielen eigentlich nur Detektivabenteuer gespielt werden, kann man so verhindern, dass die Spieler irgendwo in einer Sackgasse landen und nicht mehr weiterkommen.
  • Da vor jedem Einsatz festgelegt wird, welche Rollen benötigt werden, werden die Karten unter den Spielern quasi neu gemischt. Oft können sie zwar den Charakter vom letzten Fall wieder verwenden, doch sie können ganz einfach auch eine andere Rolle hervor kramen oder gar mit einem Spieler abtauschen. Je nach Lust und Laune.

Ich weiss, ich neige etwas zur Lobpreisung eines Systems, dass ich noch nie in der Praxis erlebt habe. Natürlich habe aber auch in meine Bedenken.

  • Das Setting ist natürlich ziemlich starr. Für was anderes als Detektivabenteuer ist das natürlich kaum geeignet. Wem das nicht gefällt, wird damit kaum etwas anfangen können.
  • Ein Abenteuer bedeutet verhältnismässig viel Aufwand für den Spielleiter. Das “so-setzen-wir-uns-spontan-mal-zusammen-und-spielen-eine-Runde” ist meiner Meinung nach schwer möglich.
  • Es ist fraglich ob dem Spielleiter auch wirklich immer wieder neue Ideen für paranormale Fälle einfallen. Da muss man vermutlich schon ziemlich tief in die Materie hinabtauchen und sich irgendwo kräftig Ideen holen.
  • Mit dem Phänomen “Verzerrung” werden eigentlich alle Gesetze der Naturwissenschaft ausser Kraft gesetzt. Die Spieler können sich hier auf rein gar nichts mehr verlassen. Dass das auf Dauer frustrieren kann, kann ich mir ebenfalls vorstellen.

Fazit

Doch, ich bin mit dem Kauf eigentlich sehr zufrieden. Das erste Durchlesen hat mir jedenfalls bereits sehr viel Spass bereitet und das mal ausprobieren möchte ich nur zu gerne. Wer ebenfalls seine Freude an einem schnellen und unkomplizierten und doch sehr vielschichtigen Rollenspiel hat, dem kann ich durchaus zum Kauf raten. Natürlich muss man aber etwas für die Welt von Opus Anima übrig haben, d.h. viktorianisches Zeitalter mit Dampftechnologie und groteskem Horror.

Mit dem Konzept der Seelenlosen muss man übrigens nichts am Hut haben. Diese werden in Investigation nicht einmal erwähnt. Vermutlich will man mit dem Buch auch Spieler abholen, für die das Grundregelwerk etwas zu viel des Guten war.

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