Gestern zu später Stund bin ich schliesslich bei meiner Gastfamilie, den Gilmores, angekommen. 8 € hatte der Taxifahrer verlangt, und mich gleich gewusst zu beunruhigen, denn er sagte, dass man in der Gegend lieber nicht alleine unterwegs sein sollte, sobald es dunkel werde.
Naja, jedenfalls ist die Gegend, in der ich die nächsten zwei Monate wohne, wohl eine ziemlich typische für Irland: Jede Menge kleiner Reiheneinfamilienhäuser. Es ist wirklich lustig durch diese Strassen zu gehen. Sobald es nicht mehr regnet, werde ich ein paar Photos machen. Das Ehepaar Gilmore bewohnt eines dieser Häuser. Ich lernte erst einmal nur Carol kennen: Sie ist wirklich sehr nett und freundlich und in etwa so, wie ich sie mir vorgestellt habe. Sie redet sehr viel, aber da sie ursprünglich aus Wisconsin (USA) stammt, hat sie keinen starken irischen Dialekt und so verstehe ich eigentlich alles. Sie reist für ihr Leben gerne und wenn sie Japan oder Korea besucht, dann kommt sie bei ehemaligen Studenten bei ihr unter. Mit diesen pflegt sie jedenfalls zum Teil noch Jahre lang Kontakt und viele kommen sie später wieder besuchen.
Lustig ist ihre schneibare Abneigung gegen Irland. Nachdem ihr erster Mann gestorben ist, heiratete sie dann Jim und zog mit ihm nach Irland. Und nun erzählt sie andauernd, was an Irland denn schlecht sei und weshalb es in den Staaten besser sei. Vor allem das Essen sei in Irland kein wirkliches Essen. Bei jeder Sorte von Fleisch, egal ob Speck, Würste oder Steak, meint sie, dass irisches Fleisch “no taste” habe. Auch das Wetter sei schrecklich, vor allem in Galway. Wobei wirklich schlimm kann es für sie nicht sein, sonst würde sie nicht bereits 13 Jahre in Irland wohnen. Was sie aber vermissen würde, wenn sie von Irland wegzöge, dass sei das Bingo-Spielen. Dazu wurde ich jetzt bereits eingeladen und so darf ich heute abend Bingo spielen gehen. Mal schauen was daraus wird.
Nachdem Carol mit mein Zimmer gezeigt hat – ein kleines Zimmer halt, mit Aussicht auf die Stadt – tranken wir dann noch über eine Stunde Kaffee zusammen in der Küche. Wobei sie nur so Fertigpulverkaffee haben -.- Ich vermisse die Nespresso-Maschine bereits jetzt. Das mit der “unsicheren” Gegend hat Carol bereits relativiert und zwar so, dass die Aussage des Taxifahrers eigentlich auf ganz Galway zutreffe. Die Gegend, in der ich jetzt wohne, sei nicht besonders unsicher. Galway selbst sei nicht wirklich sicher…sehr beruhigend. Dann gings bereits in Bett, bzw. da war es nach Schweizer Zeit bereits 2 Uhr morgens. Zum Glück meinte Carol bereits, dass sie am Wochenende lange ausschlafen würden. Ein Segen.
Jim lernte ich dann erst am nächsten Morgen kennen. Sein Dialekt ist schrecklich. Wenn der mit seiner Frau spricht, dann verstehe ich kein Wort. Ich merke nicht einmal, dass es Englisch ist. Zum einen spricht er extrem schnell, verkürzt alle Wörter und zieht sie zusammen. Sowas habe ich noch nie gehört. Aber er scheint das zu wissen und wenn er das Wort an mich richtet, dann spricht er langsamer und deutlicher. Ansonsten ist er ein netter Kerl, auch irgendwie der typische irische Dachdecker halt :D Er mag Pubs und scheint in ganz Galway bekannt zu sein.
Um 12 Uhr gabs dann Frühstück mit Eiern, Würstchen, Speck, Toast und Kaffee. Dazu lief – wohl eine amerikanische Sitte – der Fernseher. Carol hat etwas seltsame Speisesitten, so schmiert sie mexikanische Salsasauce auf ihre Eier…sehr merkwürdig. Ich habs probiert: Es schmeckt nicht.
Heute wird mir dann noch gezeigt, wie ich morgen zur Schule komme und wie gesagt gehts dann noch zum Bingo. Draussen stürmt und regnet es bereits den ganzen Tag. Genauso wie ich es mir gewünscht habe :D Da konnte ich den Tag über im Bett liegen, mein Zeug auspacken, Internet einrichten (jap, sie haben doch einen Wi-Fi-Netz) und so weiter. Ankommen eben.

Könnte es sein, dasss du etwas verwöhnt bist mit deinem grossen Zimmer zu Hause?
Ja, kann natürlich sein :) Aber das kleine Zimmer ist auch kein Problem (ist übrigens bereits ein Photo in der Galerie). Schliesslich muss ich dort nur schlafen und Hausaufgaben machen.