Irgendwie gehen ja manche Leute davon aus, dass ich in Irland nur von Pub zu Pub ziehe und langsam zum Alkoholiker verkomme. Natürlich ist das völlig falsch. Ich bleibe jeden Abend zuhause und lerne fleissig Englisch. Ehrlich!
Nein, um ehrlich zu sein, ja mein Alkoholkonsum hat sich in Irland schon vervielfacht, doch bedenklich ist es (hoffentlich) nicht und da ich jetzt mit einer Erkältung zuhause sitze, kann ich ja mal über die Trinkgewohnheiten der Iren schreiben.
Ich weiss natürlich nicht, wie es bei anderen irischen Familien aussieht, aber Jim, mein irischer Gastvater geht jeden Abend in die Stadt. Egal wie das Wetter ist oder wie schlecht es ihm selbst geht. Als er mal halb krank war und ich ihn fragte, weshalb er nicht zuhause bleibe, meinte er, dass es für ihn nur umso wichtiger sei, aus dem Haus zu kommen, wenn er sich nicht gut fühle. Ausgehen heisst bei ihm folgendes: Carol, seine Ehefrau bringt ihn um 8 Uhr in die Stadt und er bestellt seine ersten 2 bis 3 Guinness beim Pub gleich neben dem Betting Shop und dann pendelt er zwischen Guinness und Wettbüro. Jeden Abend verwettet er so 20 € und gewinnt pro Woche ca. 60 € zurück. Nach 9 Uhr zieht er dann von Pub zu Pub und endet ca. um 11 Uhr im An Pucan, seinem Lieblingspub und um spätestens halb Eins geht er dann mit dem Taxi nach Hause. Jeden Abend, Montag bis Sonntag.
Pub als Zentrum des sozialen Lebens
Wie gesagt, weiss ich nicht, wie es in anderen irischen Familien aussieht. Fakt ist jedoch, dass die Dichte der Pubs in Galway doch einiges aussagt. Würde man genauso viele Pubs, Clubs was auch immer in eine schweizer Stadt transferieren, würden mindestens die Hälfte von ihnen eingehen. Auch wenn Galway wirklich sehr viele Touristen beherbergt, können diese Pubs nicht nur durch die Touristen versorgt werden. Iren gehen nun mal viel häufiger in den Pub. Vielleicht nicht jeden Abend wie Jim, doch trotzdem viel öfter als man sich das in der Schweiz vorstellen könnte. Dabei spielt das Alter keine Rolle. Ich habe 60-jährige neben 18-jährigen gesehen. Der Pub ist für die Iren halt Zentrum vom sozialen Leben. Bei uns trifft man sich im Coop oder Migros oder man lädt die Freunde zu sich nach Hause ein. In Irland trifft man sich im Pub.
“My Goodness My Guinness”
Die Marktstellung von Guinness ist wirklich sehr stark. Man bekommt es in jedem Pub und ist wohl das meist verkaufte Bier in jedem Pub. Hinzukommen zahlreiche Merchandising Artikel. Getrunken wird also vor allem Bier. Der Unterschied ist jedoch, dass Alkohol kaum ausserhalb der Pubs konsumiert wird. Nie wird Bier zuhause getrunken und man sieht kaum einen Iren, der in der Strasse mit einer einer Dose Bier herumläuft. Wein wird nur im Restaurant zum Essen getrunken, ebenfalls kaum zuhause. Ein Grund mehr, weshalb die Pubs derart gefüllt sind.
Schliesslich ist da noch die Live Musik, wenn auch das wohl eher ein Grund ist, weshalb so viele Touristen in die Pubs gehen. Es ist wirklich kein Problem jeden Abend, auch unter der Woche, Live Musik zu finden. Das heisst aber nicht unbedingt, dass man nur Irish Folk hört. Es gibt zahlreiche Bands, die jede Art von Pop- und Rocksong covern.
Auch wenn in Irland viel getrunken wird, kann ich das Bild vom ewig betrunkenen Iren nicht bestätigen. Dieses Bild kommt wohl eher daher, dass eben im Vergleich zu anderen Ländern, viel mehr in der Öffentlichkeit getrunken wird. Ich habe aber noch nicht sehr viele betrunkene Menschen in den Strassen von Galway gesehen und wenn, dann waren sie es bereits bevor der Abend begann. Doch das ist nur meine Einschätzung…
Übrigens wurde Guinness eine lange Zeit von Ärzten als gesund empfohlen udn sogar verschrieben. Noch heute erhält man fürs Blut spenden ein Guinness, damit man sich danach wieder besser fühle.
Tough rules
Gleichzeitig zu einem überdurschnittlich hohen Alkoholkonsum, hat Irland auch sehr strikte Regeln was Alkohol angeht. Zum einen wusste ich nicht, dass die Limite für allen Alkohol, also auch Bier und Wein, bei 18 liegt. Ebenfalls ist es verboten, dass sich Minderjährige nach 21 Uhr in einem Pub oder einer Bar aufhalten und ich habe gehört, dass hier für die Betreiber auch sehr harte Strafen winken. So sind vor allen Pubs ab 21 Uhr Türsteher zu finden und diese greifen verhältnismässig stark durch und kontrollieren oft. Diskussionen gibt es da keine.
Als ich mit einem Türsteher mal etwas geredet habe, hat er mir einen weiteren Grund für die strikten Regeln genannt: Der Türsteher ist zumindest stark mitverantwortlich, wenn im Pub etwas geschieht, deshalb sind die Kontrollen da strikter. Meist schauen die Türsteher auch weniger auf das Alter, als auf die Einschätzung wie viel jemand bereits getrunken hat.
Grundsätzlich ist Alkohol eher teuer, denn der Staat erhebt auf Alkohol hohe Steuern. Noch teurer ist der Alkohol im normalen Supermarkt oder ähnlichem. Zudem verkauft der Tesco, die wohl grösste Supermarktkette in Irland, keinen Alkohol nach 22 Uhr. IDs werden auch dort oft verlangt.
Einzig bei Alkohol am Steuer liegt Irland bei der Toleranz höher als die meisten anderen EU-Länder. Mit bis 0.8‰ ist Autofahren gesetzlich kein Problem.
Schockierende Bilder
Zuerst war ich überhaupt erstaunt, wie viel Werbung betrieben wird um verantwortungsbewusstes Trinken zu fördern. Kein Abend vor dem Fernseher vergeht, ohne das man nicht mindestens einmal einen Werbespot von www.drinkaware.ie gesehen hat. Diese Internetadresse wird auch auf allen Werbungen für Alkohol angezeigt oder aufgedruckt.
Doch wirklich überrascht war ich dann später über die krassen Bilder gegen Alkohol am Steuer und zu schnelles Fahren. Hier ist man sich aus Europa doch anderes gewohnt. Hier zwei solche Werbespots:
Ich weiss natürlich nicht, wie viel solche Werbespots nützen. Es erinnert mich etwas an die Sache mit den Bildern auf Zigarettenpäckchen. Eindrücklich sind die Spots aber sicher. Jedenfalls auf solche, die sich das nicht gewohnt sind. Vielleicht sind die Iren ja auch bereits abgehärtet.

Bist du deine Erkältung unterdessen am auskurieren? Das kommtdavon, wenn man es sich nicht gewohnt, ist zu trinken! ;-)
Jap, ich konnte meine Erkältung auskurieren. Dank Irish Coffee :D
Lieber Götti-Bub
Soso, Du kümmerst Dich also um den Alkohol-Konsum der Iren. Das ist ja irre!
Tatsächlich unterscheidet sich das Trinkverhalten der Iren ein bisschen von unserem. Guinness ist ja quasi eine Mahlzeit…
Das durfte ich selber erleben – war ich doch vom 23.-28.7. ganz in Deiner Nähe: Dublin war angesagt – wo bekanntlich U2 drei Konzerte zelebrierten (ist wohl auch bis an die Westküste durchgedrungen…) und ich dies nicht verpassen wollte (Du kennst ja meine entsprechende Leidenschaft…).
Tja, und nach dem genuss eines Konzertes gehört in Irland natürlich auch der genuss eines Guinnesses dazu:
http://img185.imageshack.us/my.php?image=img0260jpgcomp.jpg
Mein leicht verklärter Blick könnte ein Hinweis auf ein tolles Konzert oder dann meine Guinness-Unerfahrenheit sein…
ich wünsche Dir einen tolle Irland-Rest mit möglichste wenig Hillern!
Liebe Grüsse
Götti
Ui, da verirren sich ja immer mehr Leute auf meinen Blog :D Ciao Götti
Ich habe leider zu spät vom U2 Konzert erfahren, sonst wäre ich sicher in der ersten Reihe gestanden. Soweit ich gehört habe, war es wirklich ein erstklassiges Konzert (dafür sei in Dublin ein Verkehrschaos ausgebrochen). Bin ganz neidisch ;)
Das Guinness hier muss ich wirklich noch etwas geniessen, in der Schweiz kostet es ja beinahe ein Vermögen.
Nettes Bild auch :D
Bis hoffentlich bald
Joel