Praxisbericht: Opus Anima Investigation

Opus Anima, das Rollenspiel um grotesken Horror

Opus Anima

Bereits am ersten Wochenende nach meiner Rückkehr setzten wir uns wieder an den Tisch und erzählten, rollten Würfel und tranken Eistee. Zwei Monate ohne Rollenspiel waren schon hart genug. Umso erfreulicher war es denn, dass wir ein von mir langersehntes Rollenspiel endlich einmal ausprobierten: Opus Anima Investigation. Eine erste Rezension zum kleinen Regelwerk vom Hause Prometheus Games habe ich bereits vor meiner Abwesenheit publiziert, doch durch ein Regelwerk zu blättern ist doch etwas ganz anderes, als es am Spieltisch zu erleben.

Das Ganze muss natürlich etwas schnell gehen und so schnappte ich mir den Fall, der im Regelwerk bereits als “Startabenteuer” zu finden ist, habe die Archetypen ausgedruckt und eine Spielrunde zusammengetrommelt. Letzteres war einfacher als gedacht, anscheind schien das Interesse an dem “etwas anderen” Rollenspiel doch grösser als vermutet. Am Ende waren wir dann fünf Spieler und meine Wenigkeit als Meister, ehrlich gesagt war die Gruppe etwas zu gross, doch vorab sei erwähnt: Es endete jedenfalls nicht in einem Desaster…

Vom Alltag eines EG:BO-Ermittlers

Zuerst stand eine kurze Einführung in die Welt und schliesslich die EG:BO an. Dabei habe ich vielles, was Opus Anima ausmacht, nur sehr grob angeschnitten oder gar nicht erwähnt. Äther, andere Rassen und blinde Tage – all das kann auch später folgen. Wir waren mit einem Ermittlungssetting im viktiorianischen Zeitalter à la Akte X eigentlich bereits genug versorgt. Danach stand die Verteilung der Rollen an. Da war ich mit dem Vorschlag im Abenteuer nicht wirkliche einverstanden. Wieso es da nun einen Techniker benötigte, dafür aber keinen Tatortermittler? Keine Ahnung. Am Ende kam dann auch ein Schutzkonstrukt an Stelle einer Schutzfrau mit.

Erstaunlicher Weise hatten alle Spieler gleich mal Freude daran einfach etwas Alltag als EG:BO ermittler auszuleben. Ausrüstung zu bestellen, Kaffee zu holen (und einen Donut für den Leiter der Technikabteilung), zum Tatort fahren, Tatort absperren, Zeugen verhören – alles auf verhältnismässig kleiner Flamme, wenn man andere Spieltage betrachtet, die wir so hinter uns haben (epische Kampagnen etc.).

Die Szene am Tatort war verhältnismässig lang, sie beanspruchte einen halben Spieltag. Ein Spieler meinte, das sei erheblich zu lang gewesen. An sich ist es ja auch eher eine Entscheidung der Spieler, wann sie das Gefühl haben, alles gesehen zu haben. Nun gut, es wird sich zeigen, ob dies der Normalfall ist oder nicht. Langweilig war es jedenfalls nicht geworden.

Improvisationstalent sei gefordert

Nun, ich sage es gleich ganz ehrlich: Meine Vorbereitung war etwas mangelhaft. Zum einen hatte ich wirklich nicht allzu viel Zeit, doch ich habe das Abenteuer auch unterschätzt. Man kann den Fall, der im Regelwerk enthalten ist, aber auch nicht wirklich als Abenteuer betrachten, eher als grobes Szenario. Auf der anderen Seite haben es solche Abenteuer wohl an sich, dass vom Meister auch einiges an Improvisation nötig ist, denn die Ideen der Spieler sind grenzenlos.

Grundsätzlich bin ich nicht schlecht im improvisieren, doch der völlig neuartige Hintergrund machten es mir etwas schwerer als sonst. Ich verhederte mich des öfteren in einigen Handlungssträngen, die ich laufend weiter gesponnen habe. Keine groben Fehler, doch zahlreiche kleinere Unstimmigkeiten. Der dümmste Vorfall ereignte sich ganz zu Beginn, als ich meinte, die Hochstrasse liege etwa 40 Meter über dem Erdboden, was natürlich zum einen extrem hoch ist und zum anderen danach fraglich ist, wie der Kutscher und ein Passagier den Sturz aus dieser Höhe überleben konnten. Die Spieler bissen sich prompt etwas zu stark auf dieses Detail ein, was natürlich verständlich war, doch eigentlich nicht Teil des Plots war. Doch mit Hilfe der Namensliste und einigen mehr oder weniger guten Ideen, umschiffte ich dann eigentlich alle kritischen Situationen bis die Spieler den Fall gelöst haben.

Abschlussbericht der EG:BO zum Fall A001

Nun es war sicherlich ein sehr gelungener Spieltag. Sowohl ich als Meister, als auch die Spieler waren im grossen und ganzen glücklich und wir möchten das alles gerne wiederholen. Vor allem ich habe nun einige Erfahrungen gesammelt, wie man ein OAI Fall leitet und wie viel und was man vorbereiten muss.

Schlussendlich bin ich aber immer noch mehr am eigentlichen Opus Anima interessiert. Investigation zeichnet eher eine humorvolle, wenn auch mit jeder Menge schwarzem Humor, Welt der Verzerrung und von Falianskoog auf. Opus Anima ist hier doch weitaus dunkler, grusliger und mit mehr Horrorelementen versetzt – aber auch anspruchsvoller und Opus Anima würde ich auch nicht so ruck zuck mal leiten, dafür eignet sich Investigation doch besser. Trotzdem werde ich sicherlich noch mehrere Fälle für das EG:BO vorbereiten und Investigation bleibt auch nach dem ersten Praxistest eine gute Investition.

Die Frage ist nur: Wo kriege ich nun weitere Fälle her? So einfach ist das nicht. Selber schreiben liegt zwar auf der Hand, doch gerade für Opus Anima Investigation ist das nicht so einfach…wer da Ideen hat, immer her damit…

Links zum Thema:

0 Antworten to “Praxisbericht: Opus Anima Investigation”


  • Keine Kommentare

Hinterlasse eine Nachricht